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Dies und Das - Einblicke in unseren nicht ganz alltäglichen Alltag

18.02.2021: Kalt, kälter, Graswurzelhof

von Steffen

Februar

Brenne, brenne Feuer!

Dem Winter wird nicht geheuer.

Süppchen, du musst sieden,

So lässt er uns in Frieden.

Und ist die Mahlzeit angericht´t

Wir lachen ihm in´s Gesicht.

Hört er vor Lust uns schmatzen,

Er möchte vor Ärger platzen

– Robert Reinick –

Der Februar brachte uns 10 Tage Frost, einen geplatzten Durchlauferhitzer, infolgedessen 4 Tage ohne Warmwasser und Dusche und durchschnittliche 3°C im Schlafzimmer.

Aber auch einen neuen, modernen Ofen, infolgedessen Behaglichkeit, weiterhin erste nachbarschaftliche Kontakte und, nach Schaltung zweier Anzeigen, mehr als genug Interessenten, die Lust hätten hier mit uns zu wohnen, den Hof wieder aufzubauen und mit uns gemeinsam zum Leben zu erwecken.

Wenn dat ma nich geil is´, du 😀

Es folgen ein paar Impressionen, die Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte – und dann aber bitte –

FRÜHLING.

Gibt ja schließlich viel zu tun.

Danke.

15.01.2021: Scheiße passiert - und was jetzt?

von Steffen

“Stille Zitronenlimonade”

Na die stillste Zeit im Jahr war ja diesmal besonders still, wa? In Au hat man an Silvester 0 Uhr draußen vor der Tür ne Stecknadel fallen hören können! Ja gut, sagen wir “Sektglas”. Aber immerhin. Wir waren die einzigen auf der Straße! Kurz haben wir die Nachbarin gesehen, die einen Gast ins Taxi verabschiedet hat. Immerhin ein “Frohes Neues!” ergattert und abgelassen. War dieses Jahr um diese Uhrzeit vermutlich was Besonderes.

Und so ruhig blieb es dann, aus uns allen bekannten Gründen, auch die ersten Januartage in Au, bis ein markerschütternder Schrei von Olesja am 04.01. um 05:45 die so friedliche Stille jäh zerriss. Und das ausgerechnet auf dem stillen Örtchen. Weil da ein Einbrecher saß. Mit Kaffeetasse in der einen Hand und Pfeife in der anderen. Mit dem Olesja nicht gerechnet hatte. Und der in diesem Moment auch ziemlich erschrocken aussah. 

Ziemlich erschrocken war auch ich in diesem Moment, vor allem deshalb, weil der Schrei, der mich aus dem Schlaf gerissen hatte, nicht abbrach. Auf die Beine, los, durch den Flur, zur Treppe und runter, voll Sorge, da mir nun klar wurde, dass das Rumpeln, was wir nachts kurz vernommen und mit “weit weg, irgendwo auf der Straße, was weiß ich” abgetan hatten, wohl doch eher “sehr nah, im Raum direkt unter uns, ein Einbruch!” bedeutet hatte und immer noch schrie Olesja, jetzt irgendwas verbales, halb war ich schon die Treppe runter.

Olesjas Schrei war gerade verstummt, als ich im Badezimmer ankam, 10 Sekunden war es vielleicht her, dass ich aus dem Bett gefallen war, 10 Sekunden zu viel: 

“Hier war ein Mann… auf dem Klo… der ist gerade weg… mit unserem Rucksack… der stand am Eingang… der hat gekackt!” 

rief Olesja mir fetzenartig und leicht panisch-entrückt entgegen, ich raus, wie eine Rakete, durch die offen stehende Wohnungstür, in Latschen ins Dunkle stolpernd, suchend, wütend, das Dorf auf und ab laufend – nichts. 

Dann das Übliche. Runterkommen, Polizei, Anzeige, Spurensicherung. 

Schadensaufnahme. Alle Laptops weg. Alle Sticks und Speicherkarten. Schlüssel. Kameras. Auch ein paar Backups. Fast alles was wichtig ist, eigentlich. Fuck.

Dann das Unübliche. Die Presse meldet sich. 

Zuerst die “Bild”. Mit der man ja nicht so viel zu tun haben möchte. Die einem aber Publicity verschafft. Und die Fotos von dem Typen veröffentlichen möchte. Schon klar, warum. Aber eben auch ne Chance. Von der die Polizei nicht begeistert ist und mit der wir es uns dann ggf. ein bisschen verscherzen. Was auch Scheiße wäre.

Andererseits: nicht der erste Einbruch den wir erleben. Bei mir der fünfte. Und die Polizei hat bisher noch nicht einen aufklären können.

Also: Presse. Nach der Bild kommt Sat 1 – warum nicht. Vor allem: wir können dabei gleich noch bisschen übers Projekt quatschen in den Regionalnachrichten. Und auch über Instagram und Facebook erfahren wir Solidarität, unser Hilfeaufruf wird geteilt und auch so kriegen wir mit der Story noch ein paar Klicks und Follower dazu. Also immerhin fällt bei der ganzen Sache ne kleine PR ab. Und so eine PR kostet halt bisschen was.

Unsere Nerven beispielsweise. Denn bei allen Versuchen das ganze sportlich zu nehmen darf und kann man ja nicht vergessen:

In unserer Hütte war’n Einbrecher über 3 Stunden (!), hat uns beklaut und dann ordentlich gut gehen lassen: Kaffee gekocht, auf der Couch und am Tisch gesessen, T Shirts anprobiert, auf meiner Kniegeige gefiedelt… Unserem Kater ein Schälchen Milch gegeben (sic!) und eben obendrein noch frech in unser Klo geschissen zum krönenden Abschluss. Und wir haben alles verpennt. 

Ja, klar, so n alter Gasthof, der ist halt gut schallgedämmt, da hörste nix oben, über der Gaststube – dicke Wände und so und das ist ja eigentlich sogar total geil, baulich betrachtet, trotzdem macht einen das dann doch etwas nachdenklich. Und obwohl wir ganz gut abgelenkt sind im Moment mit den, nach wie vor nicht endenden Umzugs- und Einrichtungsarien, haben wir dann doch immer wieder darüber gesprochen, jeden Abend. Vor allem auch darüber, was das wohl für ein Typ war, der sowas abzieht. Junkie? Idiot? Verrückt? Psycho? Und was der wohl getan hätte, wenn Olesja ihn in einer anderen, für ihn vorteilhafteren Situation überrascht hätte.

Vermutlich ist er aber einfach nur nicht der Hellste, das liegt jedenfalls nach Sichtung des Überwachungsvideos nahe: Nachdem der Typ zwar die Überwachungskamera eingehend betrachtet hat, wendet er sich ab und lässt sich noch fast 3 Stunden bei allem was er tut filmen, auch mehrfach mit Nahaufnahmen des Gesichts. Ohne Maske. Während “normale” Menschen aktuell doch gar nicht mehr dran denken diese überhaupt noch abzusetzen! 

Und dann, 2 Tage später, erkennen wir ihn, als er mit zwei Kumpels nachts am Bahnhof Au rumhängt, direkt vor unserem Haus! 

Also irgendwie nicht bei der Sache der Typ, wenne mich fragst. 

Bei der Sache war die Polizei, die wir zwischenzeitlich benachrichtigt hatten, und die am  Telefon scharfsinnig gefragt hatte, ob der Verdächtige denn wie beschrieben den grünen Rucksack auf hätte (der Einbruch war ziemlich genau 2 Tage alt), dann aber leider auch nicht. Ist einfach so locker flockig auf die Typen zumarschiert, siegessicher sozusagen, Muhammad Ali Style – Deckung ist was für Feiglinge. Wie unserem Einbrecher. Der ist dann nämlich, als die beiden Beamten so auf 50m ran, und auf  den hellerleuchteten Bahnsteigen gut als solche zu erkennen waren, über die Gleise abgehauen. Und seine beiden Kumpels, also die… tja, also, die kannten den eigentlich gar nicht, weißte, das waren nämlich gar nicht seine Kumpels. Das sah nur so aus. Die wussten nicht mal wie der heißt. Sapperlot, wie man sich täuschen kann!  

„Was sie denn aber machen sollen“, fragt mich der Polizist, weil ich nach der missglückten Überprüfung des Verdächtigen wohl einen etwas unzufriedenen Eindruck mache, und ich sage: “Keine Ahnung, Sie sind vom Fach!” Man sieht ihm an, dass er es auch gern anders hätte, auch unglücklich ist, abkotzt, dass man “nichts machen” kann.

Und was soll man denn auch machen? “Es gibt kein einbruchsicheres Haus.” sagt der Polizist als ich ihn das frage. Shit happens.

Alarmanlage, Kameras, Gitter vor den Fenstern, kein Glas in den Türen – klar kannste machen, ist halt wie im Knast dann. Und überhaupt: dann bestellen solche Typen halt ne Pizza unter ne dunkle Brücke und überfallen den Pizzaboten, so geschehen in Windeck nur ein paar km weiter und nur einen Tag nach dem Einbruch bei uns. Geht ja auch nicht anders grad. Läuft ja keiner rum draußen zum Überfallen, gerade im Lockdown und hat halt nicht jeder drauf einzubrechen, wenn jemand zu Hause ist. Dann eben “Homeoffice”. 

“Schlimm” sei das alles zur Zeit in Windeck, schreibt jemand auf Instagram und auch ein Nachbar sagt das und die Sicherheitskräfte vom Bahnhof erzählen uns, dass sie schon öfter bei der Polizei angerufen hätten, weil sich regelmäßig dubioses Publikum am Bahnhof in Au rumdrücke, Autoknacker oder Einbrecher, mutmaßen sie dann gegenüber der Polizei, aber die käme einfach nicht vorbei zur Überprüfung, reagiere nicht, zeige keine Präsenz in Au am Bahnhof. Vermutlich unterbesetzt, denken wir. Wie überall.

Kann man also wirklich nichts tun? Ist man machtlos? 

Fragen wir uns 3 Tage später in der Badewanne. Und: Ist das Ganze nicht ein gesellschaftliches Problem? Haben die Täter nicht überdurchschnittlich oft einen schlechten “sozialen Background”, keine Ausbildung, überhaupt wenig Bildung genießen können, geprägt von Armut in vielerlei Hinsicht, von Chancen- und Perspektivlosigkeit? Und müssen ja zwangsweise dem gegenüber irgendwann gleichgültig werden. Und abstumpfen. Und bei einigen geht es dann eben so weit, die tun dann eben irgendwann solche Dinge, ganz regelmäßig, als wär nix dabei. Aber auch die waren ja vielleicht nicht schon immer so?

Und sollte man nicht genau da ansetzen, fragen wir uns also als wir in der Badewanne sitzend – und:

“Heureka!” bekommen gute Einfälle. Ideen. Wie wir mit unserem
Graswurzelhof auch in dieser Hinsicht wirken könnten.
 

Und wie sich dadurch Möglichkeiten auftun könnten, viele Möglichkeiten für viele Menschen fast aller Schichten. Coole Ideen entstehen plötzlich und eigentlich nur deshalb, weil uns diese ganze Scheiße passiert gerade, wird uns kurz darauf bewusst, und obwohl wir nun nicht in die Luft springen vor Glück, weil wir uns natürlich auch geilere Dinge vorstellen können als beklaut zu werden und vermutlich auch sonst ein – zwei gute Ideen bekommen hätten, ist es in dem Moment ein gutes Gefühl: „Kacke (-der musste noch J) in Bonbon verwandelt zu sehen“.  

Und so hat unser ganzes Abenteuer nun also ein ganzes Stück früher begonnen, als wir das erwartet haben – aber auch unser eben noch recht unkonkretes Konzept hat Konturen bekommen und eine klarere Richtung, so klar, dass wir unserem Termin mit der Gemeindevertretung im Februar schon mit einiger Ungeduld entgegen blicken, voller Hoffnung auf konstruktive Unterstützung für unsere Ansätze.

https://www.bild.de/regional/koeln/koeln-aktuell/windeck-bewohnerin-erwischt-einbrecher-auf-ihrem-klo-74772664.bild.html

https://www.sat1nrw.de/aktuell/einbrecher-auf-klo-erwischt-210053/

24.12.2020: Schon mal während einer Pandemie umgezogen?

von Steffen

Is‘n Drahtseilakt – schwitzende Männer, die keuchend Kisten und Möbel schleppen und in Lkws fahren und dabei keinen anstecken sollen. Klappt aber, wenn man‘s gut plant und auf die Einzugsparty danach erstmal verzichtet.

In den letzten 3 Wochen haben wir mit Hilfe von ein paar Freunden und nach umfänglichen Briefing vom Gesundheitsamt unter Erfüllung aller Auflagen unseren ganzen Plunder von Köln nach Au gefahren, uns die drei mit Abstand „luxuriösesten“ Räume des Hauses (sprich: trocken und mit halbwegs dichten Türen und Fenstern ) erschlossen und nun, 2 Tage vor Weihnachten, ist es tatsächlich richtig gemütlich. Hin und wieder jedenfalls.

Wenn der Schornstein gut zieht und der Ofen uns nicht die ganze Bude vollqualmt zum Beispiel. Und nachdem der Luftentfeuchter nun endlich geliefert wurde und unsere Klamotten, in die wir morgens bei frischen 8 Grad steigen, nicht mehr ganz so klamm sind. Und der Heizstrahler im Bad! Auch megageil! Hat zwar paar Stunden gekostet bis der Fehler in der Elektrik gefunden war und fast hätte das Ding auch mal Feuer gefangen, zwischenzeitlich – aber dafür jetzt abtrocknen unterm Strahler, sauber! Da kommt Freude auf. Jedes Mal wieder.

Und dann die ganzen Weihnachtslieder im Radio, der bisher einzigen Musikquelle im Haus – da wird’s einem schon ganz warm und sentimental ums Herz irgendwann, ob man will oder nicht..

Mein letztes Weihnachten in so einfachen Verhältnissen war vermutlich 1988 oder so, kurz vor der Wende in einem Rostocker Altbau: Ofenheizung, unbeheiztes Außenklo, Schlauchkueche, die gleichzeitig auch Bad mit Dusche und Boiler war. Ich, an meinem 7. Geburtstag am Funktionsausziehtisch, mir gegenüber meine Mutter, auf dem Tisch ein Pfefferkuchenhaus von der Westtante, bekam ich jedes Jahr zum Geburtstag, gutes Ding! Lebkuchenbauteile wurden mit Zuckerguss zusammen geklebt, meine Mutter vollbrachte das sehr kunstvoll mit viel Liebe zum Detail und es gab Brezeln und Dachschindeln aus Zuckerzeug, Tiere und Gartenbäumchen und Eiszapfen und 3 Figuren aus Zucker: Hänsel, Gretel und die Hexe, die ich heimlich weggeschmissen habe, als meine Mutter grad nicht geguckt hat… War ja immerhin die Hexe. Kannste nich fressen sowas, is‘ ja wohl klar.

Ich kann jedenfalls, wenn ich mich nun über 30 Jahre später in einiger Verklärung an diese Zeit erinnere, nicht sagen heute weniger glücklich zu sein als damals -und mir selbst hat ja auch nichts gefehlt zu dieser Zeit, als Kind, nur weil der Zonen-Standard etwas niedriger war. Im Nachhinein bin ich gar sehr glücklich über diese ersten Jahre und darüber, wie sie mich geformt haben.

Kein Luxus kann auch Luxus sein. Und Glück ist ohnehin eine Frage der Perspektive.

04.11.2020: Der Kauf

von Olesja

Oh man – das ist vielleicht aufregend alles! Also, die Nacht hab ich schon mal nicht so gut geschlafen, zu gespannt bin ich auf diesen Tag gewesen. Heute treffen wir den Verkäufer des Hauses- und na ja, wer weiß, was das für ein Mensch ist. Danach unterschreiben wir den Kaufvertrag, was bedeutet, ab da gibt es kein Zürück mehr und es wird alles ganz anders. 🙂

Es ist ein wunderschöner sonniger Herbstag, wir kommen ca. 10 Minuten früher am Haus an. Wir rätseln schon bisschen hin und her, wie der Verkäufer wohl aussieht, wie alt er ist oder wie er so drauf ist. Und dann ist er da, pünktlich, wir stellen uns vor, er schlägt schnell das Duzen vor und wir finden das gut.

Wir sprechen über das Haus und über die Dinge, die wir klären müssen. Alles ganz unkompliziert, er scheint sehr nett und entspannt zu sein. Ich glaube wir sind uns gegenseitig nicht unsympathisch. Stephan (Name des Verkäufers) zeigt uns alte Fotos vom Haus, erzählt ein paar Geschichten, wir reden mittlerweile auch über private Dinge.

Wir glauben zu merken, dass ihm das Verkaufen dieses Hauses doch nicht ganz leicht fällt und wir lassen ihn wissen, dass er immer herzlich willkommen sein wird. Wir tauschen unsere Kontakte aus und treffen uns eine Stunde später beim Notar zum Kaufvertrag unterschreiben. 

Tja, diesen Teil kann man schnell beschreiben mit: der Notar liest uns den ganzen unverständlichen Kram vor, wir nicken ab, unterschreiben und das war´s – wir haben das Haus gekauft. Allerdings ist weiterhin noch nicht alles in trockenen Tüchern und die ganze Bearbeitung bis zum Grundbucheintrag, Finanzierung etc. dauert noch ganze 6-8 Wochen. Also Geduld muss man beim Hauskauf schon mal unbedingt mitbringen.

Stephan übergibt uns die Hausschlüssel und wir freuen uns wie die Doofen 🙂

One thought on “Blog: Dies und Das – der blanke Alltag

  1. Supertolle Seite!!! Nach solchen Projekten und Menschen hatte ich schon immer Ausschau gehalten, schade ,dass ich soweit weg wohne, sonst würde ich gleich morgen mal vorbeischauen…
    Ich wünsche euch allzeit viel Energie für eure mannigfaltigen Ideen!
    Liane

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